In dem Castello Multiverde gab es einen riesigen Raum, ehemals ein Schlafzimmer, das wir in zwei Räume verwandeln wollten: Mit einer Innenwand, die kreislauffähig ist und als CO2-Speicher dient. Aber so, dass wir allenfalls auch irgendwann mal wieder nur einen Raum haben. Und so, dass die Wand für uns und die Umwelt gesund ist.

Holzgerüst

Wie beim Tiny House, haben wir auch diese Wand mit Holzbalken konstruiert. Da wir diese einfach an die schon vorhandenen Wände schrauben konnten, war das deutlich einfacher.

Wichtig ist, dass die Abstände der Längsbalken jeweils der Dämmmattenbreite angepasst werden. Denn sowohl Jute- als auch Hanfmatten lassen sich leider nicht ganz so einfach schneiden, wie bspw. Steinwolle. Damit die Dämmmatten auch zwischen den Balken halten, sollte der Abstand immer ca. 2 cm kleiner als die Matte selbst sein.

Damit der Boden nicht verkratzt wird und somit auch noch schön ist, falls wir mal wieder einen grossen Raum haben wollen, haben wir Bautenschutzmatten in Streifen geschnitten und unterlegt (das Schwarze was man an Decke und Boden unter den Querbalken sieht.

Da wir nicht in den Boden geschraubt haben (aus Schönheitsgründen, wenn wir die Wand wieder rausnehmen wollen), hat Felix seehr, sehr genau gearbeitet (das kann er im Gegensatz zu mir nämlich fantastisch), damit die Längsbalken schön zwischen oben und unten “eingequetscht” sind. In die schon getäferten Wände haben wir geschraubt – denn da sieht man Schraubenlöcher kaum…

Täfer

Eine vielleicht etwas altmodische Art, eine Wand zu verkleiden ist mit Täfer. Da Felix und ich aber Holzfans sind, haben wir uns entschieden, sie mit Fichte zu verkleiden. Weisses Täfer ist ja eher noch „In“, aber kann nicht ohne Giftstoffe freizusetzen weiter genutzt werden. Unser Täfer ist unbehandelt und kann rein theoretisch am Lagerfeuer verbrannt werden. Ist zwar nicht erlaubt, aber auch wenn es irgendwann entsorgt und da verbrannt wird, setzt es keine giftigen Farbstoffelemente frei.

Das Täfer können wir auch ganz einfach demontieren und an anderer Stelle neu verbauen. Wir haben uns Second-Hand-Täfer angeschaut, dieses war aber zu dunkel und lackiert. Deswegen haben wir (leider in Plastik verpacktes) neues Täfer gekauft und verbaut.

Der nette Herr auf dem Foto ist übrigens Felix’ Papa, der uns im Frühling geholfen hat, die Wand hochzuziehen.

 

Dämmung

Nachdem die erste Wand komplett zugetäfert war, haben wir auf der anderen Seite mit dem Dämmen angefangen. Unsere geliebte Jutedämmung, die wir für das Tiny House verwendet hatten, gibt es leider nicht mehr, weil die Kakaosäcke, aus denen die Dämmmatten gemacht werden, oft Metallklammern drinn hatten, welche die Herstellungsmaschinen leider kaputt machten.

Also ist es diesesmal Hanf geworden. Riecht nach Heu und Brot und kratzt auch kein bisschen. Die restlichen Fussel, die am Schluss noch rumlagen, habe ich zum Mulchen in unseren neuen Hochbeeten genutzt.

Dann kam auf der zweiten Seite ebenfalls Täfer hin und fertig ist unsere Bürowand.

 

Das Resultat: Zwei grosse Büros fürs Homeoffice

Die Homeoffice Pflicht ist zwar bald schon wieder um, aber da Felix sowieso die Doktorarbeit zuhause schreibt und allenfalls 1-2 Tage im Büro ist, und ich nur mein Büro zuhause habe, sind wir auch nach dem ganzen Corona-Spuck froh, dass jeder sein Raum hat, wo er/sie walten und schalten kann wie er/sie will.

Felix’s Büro ist mit dem Secondhand Schlafsofa auch für Besuche gut ausgestattet, während meins zum Kräutertrocknungszimmer ernannt wurde :D (siehe Titelfoto).

 

CO2 Speicher

Das tolle an nachwachsenden Ressourcen ist, dass sie im Hausbau als wunderbare CO2-Speicher funktionieren. Im Gegensatz zu Stein- oder Glaswolle und Gipskartonplatten weisen Hanfmatten nur geringe und Fichtentäfer negative CO2-Emissionen in der Produktion aus. Und auch wenn unsere Bürowand nicht so riesig ist, konnten wir damit ungefähr 300kg CO2(-Äquivalente) speichern.

So, etwas detaillierter anhand von Grafiken aus dem Ubakus-Rechner:

Wandaufbau Castello Multiverde

Unser Wandaufbau besteht zum grössten Teil aus Fichte, welches einen C02-Speicher darstellt und sich positiv auf das Klima auswirkt (die grünen Balken).

Quelle: Ubakus.de

Der Ubakus-Rechner nimmt für die Primärenergie (also für die Herstellung der Baustoffe) vermutlich einen Strommix an, wo beispielsweise auch Kohlestrom drinn ist. Deswegen gibt er bei der Hanfmatte Emissionen von 1kg CO2-Äquivalente pro qm an. Insgesamt werden aber trotzdem 21kg CO2-Äquivalente pro qm gespeichert. Bei unserer Wandgrösse von ca. 15qm sind das 315kg. Ich kann mit Zahlen wenig anfangen, aber das entspricht den Emissionen, die für einen einen Flug für 2 Personen von Zürich nach Hamburg (mit myclimate ausgerechnet) ausgestossen werden. (Und damit will ich jetzt keine Kurzstreckenflüge bewerben ;)).

Quelle: Ubakus.de

In dieser Grafik siehst du nochmals, dass dem Hanf 70% des nicht erneuerbaren Primärenergieaufwand angerechnet wird.

Quelle: Ubakus.de

 

Konventioneller Wandaufbau

In der untenstehenden Tabelle haben wir unsere Wand mit einem “konventionellen” Wandaufbau (Steinwolle und Gipskartonplatten) verglichen. Das einzige, was sich positiv aufs Klima auswirkt, ist das Fichten-Ständerholz. Fermacell und Steinwolle haben mit je 4kg CO2-Äquivalente pro qm auch eine deutlich höhere Auswirkung als Hanf. Jute hätte übrigens ebenfalls negative CO2-Emissionen, da sie ein Upcyclingprodukt aus den Jutesäcken ist.

Quelle: Ubakus.de

Die Primärenergie ist bei diesem Wandaufbau (56 kWh/qm) auch deutlich höher, als bei unserem (43kWh/qm) und dessen Produktion stösst schon 7.4kg CO2-Äquivalente aus. Hätten wir diesen Wandaufbau gewählt, wäre das bei der Wandgrösse von 15qm 111kg CO2-Äquivalente. Das wiederum entspräche ungefähr einem Flug für 1 Person von Zürich nach Frankfurt.

Quelle: Ubakus.de

Insgesamt haben wir durch unseren Aufbau also der Atmosphäre 315 kg CO2(-Äquivalente) entzogen, anstatt weitere 111 kg auszustossen, und wir haben 195 kWh nicht erneuerbare Primärenergie eingespart, was ungefähr unserem Energieverbrauch von 2 Monaten entspricht :)

Rückbaubar, veränderbar, kreislauffähig

In der Kreislaufwirtschaft geht es darum, geschlossene Kreisläufe anstatt lineare Abfallstrassen zu schaffen. Dabei ist es wichtig, nachwachsende und nicht nachwachsende Ressourcen zu trennen, da diese unterschiedlich weiterverwertet werden können.

Unsere Wand ist mit etwas Geduld schnell wieder abgebaut, da nur Schrauben gelöst werden müssen. Diese sind natürlich nicht aus nachwachsenden Rohstoffen, können aber allenfalls nochmals verwendet werden und werden dann recycelt, eingeschmolzen und zu neuen Produkten aus Metall verarbeitet. Das Holz kann für andere Projekte gut weitergenutzt und irgendwann kompostiert werden. Die Hanfdämmung kann vermutlich noch in einer Aussenwand verbaut und schliesslich zum Mulchen verwendet werden.

Keine Hexerei, oder?