Wusstest du, dass das Waschen von synthetischer Kleidung und die Abnutzung von Autoreifen die Hauptverursacher von Mikroplastik sind? Nachhaltige Verkehrsmittel, natürliche Textilien und der Guppyfriend helfen gegen die Verschmutzung des Wassers und der Natur.

DAS PROBLEM

Ergebe dich – von Plastik umzingelt
Ja, auf den ersten Schritt scheint es ziemlich schwer, dem Plastik den Kampf anzusagen, denn er hat sich sehr schnell und sehr breitflächig in unseren Alltag eingeschlichen. Von Verpackungen, bis Kleider, über Transportmittel bis zu Kosmetikprodukten – Plastikanteile findet man überall. Genau deswegen findet man Mikroplastikteile auch in Ozeanen, in Flüssen, in der Erde und sogar im Trinkwasser. Vor allem Meeresbewohner verwechseln die kleinen Plastikteilchen mit Plankton und fressen es – ohne dass sie es verdauen können. So wird Mikroplastik auch Teil der Nahrungskette.

Plastikverschmutzung
Während schon ein ganzer Kontinent voll Müll auf dem Ozean treibt, ist die Problematik des Mikroplastiks weniger offensichtlich, wortwörtlich. Primärer Mikroplastik besteht aus Plastikteilchen, die kleiner als 5mm gross sind und durch Abnutzung (Kleider), während Herstellungsprozessen oder Erosion (Autoreifen) aber auch absichtliche Herstellung (Kosmetikprodukte)entstehen. Sekundärer Mikroplastik entsteht, wenn grössere Plastikteile im Ozean durch die Wellen und Stein zerkleinert werden.

Mikroplastik wird zu einem unterschiedlich grossen Teil (meist allerdings über 90%) überwiegend von Abwasserreinigungsanlagen herausgefiltert. Doch das Mikroplastik landet im Klärschlamm, welcher auf die Felder als Dünger verteilt wird. Zumindest in vielen Länder – in der Schweiz und einigen Teilen Österreichs ist dies verboten. Auch in Deutschland gibt es Obergrenzen – allerdings nicht an Mikroplastik sondern Schwermetalle. So landet ein Teil des Mikroplastiks dann doch wieder in der Natur und durch Auswaschen auch wieder in den Gewässern.

Das Fraunhofer-Institut schätzt, dass in Deutschland pro Kopf und Jahr 4000g Mikroplastik anfallen!

Die Hauptverursacher von Mikroplastik
Je nach Studie gibt es unterschiedliche „Bösewichte“. Das Fraunhofer Institut listet den Abrieb von Autoreifen (Nummer 1), Emissionen bei der Abfallentsorgung, Verwehungen von Sport- und Spielplätzen, Abrieb von Schuhsohlen und Faserabrieb bei der Textilwäsche (Nummer 10) unter die Top 10, welche für diese missliche Lage hauptverantwortlich sind. Obwohl, dies falsch ausgedrückt ist: Verantwortlich sind wir – die Verbraucher! Deswegen hier noch weitere Informationen zum Problem und wie man es lösen kann.

Mit jährlichen 41.8 Millionen Tonnen umfassen synthetische Textilien für Bekleidung fast zwei-Drittel der gesamten Menge der gekauften Stoffe.Eine Studie der Plymouth University zeigt auf, dass bei einer durchschnittlichen Wäsche mit Polyester-Baumwoll-Mischgewebe 138’000 Fasern herausgelöst werden. Bei reinen Polyester oder Acrylgeweben ist es noch viel höher! Die Verbraucher waschen die synthetischen Kleider in der Waschmaschine, wodurch jedes Mal kleine Fasern abbrechen und den oben geschilderte Weg durchlaufen.

Des Weiteren fahren unterdessen 1‘412.6 Millionen Autos auf den weltweiten Strassen herum: Sie sind der häufigste Verursacher von Mikroplastik. Über 70% der Autos gehören Privatpersonen. Die Fahrzeuge sind mit synthetischen Gummireifen ausgestattet, die während des Fahrens über Asphalt, Stein oder sonstiger Strasse abgenutzt werden. Hast du dir schon mal überlegt, wohin das Profil eines dieser fast 10 Kilo schweren Reifens verschwindet? Es löst sich (leider) nicht in Luft auf, sondern endet auf der Strasse, wird vom Regen in die Erde, ins Grundwasser oder in Abwasserschächte transportiert.

Stadt-Staub fasst verschiedene Mikroplastikquellen zusammen, wie beispielsweise den Abrieb der Gummisohlen von Schuhen, synthetischen Kochutensilien, der Abnutzung von Infrastrukturen sowie Strahlmittel.

Mikroplastik in Kosmetikprodukten tragen auch zum Problem bei, aber in einem geringeren Umfang (was nicht heiss, dass man beim Kauf nicht darauf achten kann).

DIE LÖSUNGEN

Nachhaltige Verkehrsmittel nutzen
Ja, auch durch Busfahren entsteht Mikroplastik, allerdings können zumindest mehr Personen auf einmal transportiert werden. So werden anstatt 4 Reifen pro Person (wenn das Auto nur den Fahrer herumtaxiert), die Reifenanzahl auf die Busfahrenden aufgeteilt. Wer sich denkt, deswegen auf den Drahtesel umzusteigen: Sogar die Fahrradreifen tragen zum Problem bei, denn auch diese werden abgenutzt. Wer also nicht (nur) barfuss gehen will, kann hoffen, dass Reifenhersteller ihr Versprechen halten und nachwachsende, natürliche Rohstoffen die Zukunft der Reifen ist.

Natürliche Textilien
Anstatt nur auf die Kleidergrössenmarkierung zu achten, kann man gleich noch den Blick zum Etikett schweifen lassen: Aus welchem Material besteht das Objekt?
Es gibt unterdessen so viele verschiedene Materialien, woraus ein Stoff bestehen kann. Am besten kaufst du dir Biokleider, die aus Hanf, Leinen, Baumwolle, Bambus oder einem anderen natürlichen und nachwachsenden Rohstoff gefertigt sind. Um den Stoff und die Umwelt zu schonen, nicht wärmer als 30°C waschen (ich mach nur bei Unterwäsche und Putzlappen und Co eine Ausnahme).

Der Grossteil meiner Garderobe besteht aus Baumwoll- oder anderen nachwachsenden Fasern. Alles, was ich neu kaufe, ist zudem bio und fairtrade. Aber bei Second-Hand-Sachen sind Etiketten manchmal nicht dabei. Ich versuche dann zu erstasten, ob es sich um Baumwolle oder Synthetik handelt – und bin meist ziemlich erfolgreich.

Mein Bikini und meine Sportsachen, die ich schon seit Jahren hab momentan noch aus synthetischen Stoffen. Alles wegschmeissen? Nein, der Guppyfriend hilft aus:

Guppyfriend – Waschen ohne Mikroplastikverschmutzung

Die Tatsache, dass das Waschen von synthetischen Kleidern ein Hauptverursacher für die „Plastifizierung“ unserer Umwelt ist, hat auch die Surfer und Naturliebhabern von Langbrett schockiert und zum Handeln motiviert. Sie entwickelten den Guppyfriend Waschbeutel, der die Kunstfaserbruchstücke daran hindert, in die Gewässer zu fliessen.

Die synthetischen Kleider werden einfach in den Beutel getan und ab damit in die Waschmaschine. Nach dem Waschen sollte dann eine kleine Menge Mikroplastik im Beutel (und nicht im Wasser!!) zu finden sein, der dann im Restmüll entsorgt werden kann. Das high-tech Gewebe des Beutel besteht aus Nylon und kann recycelt werden.

Ich hab den Beutel getestet und bin zu folgendem Fazit gekommen:

Der Guppyfriend in Anwendung
Einfacher könnte es nicht sein: Wäsche in den Beutel, Reisverschluss zu, waschen und Wäsche wieder raus. Zurück bleiben tatsächlich kleinste Teile von Mikroplastik. Die kleinen schwarzen „Fuseli“ werden aber zum Glück vom Guppyfriend davon bewahrt, ins Wasser zu gelangen. Ich war ehrlich gesagt schockiert, wie klein diese Härchen sind, und war nicht verwundert, dass diese sich durch die Abwasserreinigungsanlagen schmuggeln.

Auch wenn die Menge insgesamt pro Waschgang ziemlich winzig ist – es lohnt sich nicht, sie jedesmal aus dem Beutel zusammenzutragen, kommt da weltweit schon ziemlich viel zusammen!
Ich freu mich jedenfalls riesig, dass meine Wäsche die Umwelt nicht weiter verschmutzt und sogar noch geschont wird beim Waschen =)