Wie ökologische Mobilität geht, wissen eigentlich alle schon: Möglichst wenig Auto fahren und nicht mit dem Flieger verreisen. Bei der Umsetzung haperts aber hie und da noch – auch bei mir! Trotzdem versuche ich meinen inneren Schweinehund möglichst oft gegen ein Fahrrad einzutauschen – und das klappt meist ganz gut, weil ich auch Vorteile für mich sehe.

 

Im Alltag: Fuss, Fahrrad und ÖV

Klingt einfach, ist es aber nicht immer. Was, wenn das Bauernkaff kein ÖV Anschluss hat?

Auch wir haben ein Auto und würden es zwar teilen, aber nicht ganz hergeben. Mit dem Hausumbau wüssten wir echt nicht, wie wir das Material transportieren könnten. Wir gehören nämlich auch zu diesen Landbewohnern ohne Bus oder Zuganschluss. (Seit neustem gibt es eine Nextbike-Station, die den Zugang zum ÖV darstellt…)

Aber anstatt immer das Auto zum Einkaufen zu nehmen – mit der “Ausrede”, dass ja die Einkäufe nicht mit dem Fahrrad transportierbar sind – habe ich mir aber für den Wocheneinkauf ein Fahrradanhänger zugelegt, mit dem ich die untenstehenden Vorteile habe. Ich hoffe, meine Motivation ist im Winter auch noch gleich gross, mit dem Rad rumzudüsen :D

Felix und ich fahren gerade von Frühling bis Herbst auch meist mit dem E-Bike (so durchtrainiert für die hügelige Schweiz sind wir dann doch nicht)  in die Stadt oder zu meinen Eltern.

Für die restlichen Fahrten nutzen wir dann meist das Auto, da einige unserer Freunde weiter weg und auch nicht in ÖV-Nähe wohnen. Das mag ne Ausrede sein, so nobody’s perfect. Auch für den Urlaub nutzen wir unseren Caddy meist, da er auch ein Wohnmobil ist (und als Wohnmobil ist er wahrscheinlich super ökologisch, weil er im Gegensatz zu den riesen Kästen deutlich weniger Sprit verbraucht).

 

Schweinehund austricksen: Finde deine Motivation

Findest du einen Anreiz für dich persönlich, mehr zu Fuss, mit dem Rad oder den Öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, um damit zu einer ökologischen Mobilität beizutragen?

Ich hab dir sonst mal ein paar Gründe, die definitiv Vorteile gegenüber dem Auto sind, zusammengestellt:

  • Kein Parkplatzproblem mehr: weder das Problem, dass kein Parkplatz vorhanden ist, noch die teuren Kosten hast du, wenn du ohne Auto unterwegs bist
  • Zeit, um Leute kennenzulernen im Zug (zugegeben, das wird mit Smartphones immer schwieriger, aber gerade ältere Leute kann man gut in ein Gespräch verwickeln :D)
  • Zeit, etwas zu lesen. Und zwar nicht auf dem Smartphone, sondern in einem Buch, wenn du mit dem Zug fährst
  • Du siehst viel mehr von der wunderschönen Umgebung, wenn du langsamer unterwegs bist – zu Fuss und mit dem Fahrrad entdeckst du die Welt ganz anders
  • Bewegung und frische Luft
  • Du kannst grosse Staus oft umgehen (mit Fahrrad oder Zug)
  • Alkohol am Steuer geht nicht, mit ÖV kannst du dir auch ein Gläschen Wein in der hippen Bar gönnen
  • Na, fällt dir noch was ein? Kommentiere gerne unten.

 

Unterwegs mit dem Auto: Geht das auch nachhaltig?

Es ist nicht immer einfach, ein Auto zu besitzen und „öko“ zu sein. Manchmal schäm ich mich auch dafür. Gleichzeitig habe ich mit Felix schon viele Diskussionen gehabt, wobei ich immer wieder merke, dass ich versuche, zu rechtfertigen, dass wir ja hier auf dem Land auf jeden Fall eins brauchen.

Tja, ich glaub mir da eigentlich selber nicht so ganz. Ich glaub, was wirklich dahinter steckt, ist, dass es unglaublich bequem ist, und wenn man sich dran gewöhnt hat, kann man sich ein Leben ohne schwer vorstellen.

Wir brauchen immer einen Vorteil und eine Motivation

Ich schweif hier kurz ein wenig ab, aber ich glaub, dass genau hier das Problem mit dem nachhaltigen Leben ist: Wir müssen aktiv auf etwas verzichten, unser Leben sozusagen unbequemer machen. Weil wir hier ein Luxusleben führen, während auf der anderen Seite der Welt Menschen verhungern, ausgenutzt werden, rund um die Uhr arbeiten, um ihre Kinder zu ernähren. Aber eben, die sind auf der anderen Seite der Welt.

Ich bezeichne mich als nachhaltig lebender Mensch , obwohl ich auch nicht alles perfekt mache. Was ich bisher so tue ist in den aller-allermeisten kein Verzicht für mich. Denn die Vorteile überwiegen. Ich lebe durch mein Vegan und Zero Waste Lifestyle automatisch auch gesünder, mache Dinge gerne selbst und spare Geld. Mit dem Fahrrad und Anhänger muss ich keinen Parkplatz suchen. Ich lebe so, weil ich es für mich als bereichernd finde – nicht (nur) für die Umwelt.

Aber komplett auf ein Auto verzichten, das kann ich mir leider noch nicht vorstellen. Immerhin. Wir haben ein Auto zu zweit. Doch mit Urlaubsfahrten und Baumarktbesuchen kommen doch noch um die 11.000km jährlich zusammen. Vor ein paar Jahren waren wir noch bei 20.000km! Homeoffice und bessere Radwege, um für Felix zur Arbeit zu gelangen und coronabedingt weniger Trips zu Felix’s Familie haben hier wohl positiv auf unsere ökologische Mobilität gewirkt…

Trotzdem habe ich mich gefragt, was es denn für Alternativen gibt – für Autos. Sind denn jetzt Elektroautos wirklich so super, was ist mit Wasserstoff und Bio-Treibstoffe.

 

Bio-Treibstoff

Klingt ja erstmal toll. Bio. Tja, ganz so biologisch ist das dann doch nicht, denn bio heisst eigentlich nichts anderes als leben. Anstatt fossile Energie, wird meist Mais angebaut, der dann irgendwie zu Treibstoff verarbeitet wird. Frag mich nicht wie, tut jetzt auch wenig zur Sache.

Das Problem ist nämlich, dass dieser Mais eben nicht biologisch angebaut wird, sonder mit vielen Pestiziden und dem ganzen Cocktail, der die Böden kaputt macht. Die enthalten übrigens auch Erdöl.

Dazu kommt, dass dieser Mais oft aus ehemaligen Regenwaldgebiet stammt. Ehemalig, weil für den Maisanbau die ganzen Bäume gefällt wurden. War da nicht was mit Bäumen, die CO2 binden? Bäume, die unsere Luft filtern? Bäume, die den Boden vor Erosion, Austrocknung und etlich anderen Dingen schützen?

Ein weiteres Problem: Biokraftstoffe sind ein Konkurrent zur Nahrungsmittelherstellung. Mais auf dem Teller oder im Tank? Respektive wird ja auch sehr viel Biomasse an die europäischen Nutztiere verfüttert, welche danach auf unseren Tellern landen.

Einzig Treibstoffe aus Abfall- und Reststoffe schneiden da besser ab: Ihre Umweltbelastung ist durch den entfallenen Anbau, da Abfallprodukt, deutlich besser.

Biotreibstoffe haben also zusammengefasst ein Potenzial, zur ökologischen Mobilität beizutragen, aber nicht so, wie sie momentan angebaut werden. Wenn die CO2-Emissionen über die Herstellungskette zur Reduktion beiträgt, keine Wälder gerodet werden und dadurch weniger Erdöl gefördert wird, sind es Schritte in die richtige Richtung.

 

Elektroautos

Elektroautos sind momentan sehr im Trend und werden als DIE Alternative zu den „normalen“ Autos angepriesen. Sie haben definitiv Vorteile, aber auch einige Schattenseiten. Das BMU hat hierzu eine Bilanz gezogen, die sehr schön zusammenfasst, welche positiven und negativen Auswirkungen Elektroautos haben.

Wie immer gibt es hier keine generelle Antwort, denn je nachdem wie der Strom für die Autos hergestellt wird, wirkt sich das auch auf die Klimafreundlichekeit aus. Sprich, erneuerbarer Strom ist gut, fossile Energieträger weniger, da sie auch wieder Treibhausgase ausstossen.

Die Abbildung zeigt, dass die Produktion von Elektroautos deutlich schlechter ist, als die von Dieselfahrzeugen oder Benziner, jedoch im Fahrbetrieb besser abschneidet und somit insgesamt weniger CO2-Emissionen produziert.

Ein weiterer Vorteil von Elektrofahrzeugen ist ihre Lautstärke: Gerade bei geringer Geschwindigkeiten sind sie deutlich leiser und verringern Lärmemissionen. Die Feinstaubbelastung ist zwar bei Elektroautos während dem Fahren gleich Null, aber über den gesamten Lebensraum betrachtet, vor allem mit der Herstellung, haben sie hier keine Vorteile gegenüber Benziner oder Dieselmotorfahrzeuge.

Ein weiterer kritischer Punkt sind die herstellungsintensiven Materialien, die vor allem für die Batterie gebraucht werden. Die Förderung von Kobalt beispielsweise erfolgt teilweise durch Kinderarbeit in ungesicherten Minen im Kongo. Auch Lithium mit sehr grossem Wasserverbrauch ist sehr kritisch zu betrachten.

 

Wasserstoff

Eine weitere Alternative auf Erdöl zu verzichten und zur ökologischen Mobilität beizutragen, ist Wasserstoff. In sogenannten Brennstoffzellautos wird Wasserstoff wieder zu Strom umgewandelt und damit gefahren. Sie haben einen weitreichenden Radius zum Fahren, sind minutenschnell getankt (im Gegensatz zum Elektroauto) und stossen ebenfalls keine Abgase aus.

Das Problem: Man braucht doppelt Strom. Anstatt wie bei Elektroautos direkt mit Strom zu „tanken“, wird vorher erst Wasserstoff aus Wasser hergestellt, was schonmal einiges an Energie braucht. Danach muss im Motor aus Wasserstoff und Sauerstoff wieder Wasser und Strom werden. So sind dann nur noch 25% der Energie zum Vorwärtsbewegen übrig, der Rest geht verloren.

Zudem wird Wasserstoff momentan noch oft aus Erdgas hergestellt, was wiederum schlechter abschneidet.

 

Welches Auto ist denn jetzt für ökologische Mobilität tauglich?

Alle Alternativen haben offensichtlich ihre Vor- und Nachteile. Es gibt keinen eindeutigen Sieger, der als Paradebeispiel für ökologische Mobilität dienen kann, denn dabei spielt vor allem die Stromquelle & Rohstoffe eine Rolle. Je mehr erneuerbaren Strom für die Autos (sowohl in der Herstellung, als auch in der Benutzung) genutzt wird, desto besser schneiden Elektroautos und Wasserstoffautos ab.

Laut einer Studie vom Fraunhoferinstitut liegt ein Dieselauto in der Herstellung noch klar vorne (9995 kg CO2),  Elektroautos mit einem mehr als doppelt so hohen Wert, schlagen auch das Brennstoffzellenauto (16491 CO2).

Nach 200‘000 gefahrenen Kilometer sieht das aber wieder anders aus: So hat der Diesler über 45‘000 weitere Kilogramm CO2 ausgestossen, während das Elektroauto bei 42‘000 kg (deutscher Strommix) und das Wasserstoffauto bei 39‘000 kg CO2 schon darunter liegen.

Je länger die alternativen Autos gefahren werden, desto nachhaltiger werden sie, da somit die Erstherstellung weniger hart ins Gewicht fällt. Sehr gut schneiden Elektroautos mit 50 kWh und einer Reichweite von maximal 250km ab. Grössere E-Autos schneiden langzeitlich schlechter ab als Wasserstoffautos.

Laut Dr. Christopher Hebling ist eine Kombi die Lösung: »Die Studie zeigt auch, dass sich Batterie- und Brennstoffzellenfahrzeuge in idealer Weise ergänzen. Für große Reichweiten sind Brennstoffzellenfahrzeuge klimafreundlicher und für geringe Reichweiten Batteriefahrzeuge«.

Zusammengefasst heisst das, dass es nicht DIE eine Lösung gibt, die Autofahren von heut auf morgen unproblematisch machen.

 

Auto teilen anstatt alleine fahren

Was in den Studien nicht beachtet wurde, aber ein wichtiger Aspekt ist: Die Anzahl Mitfahrenden macht auch einen Unterschied. Wenn vier Personen aus dem gleichen Dorf im gleichen Auto in die Stadt fahren, anstatt mit vier Autos hinzufahren, wird 3/4 des Sprits gespart. Teilen ist also eine gute Lösung, um die ökologische Mobilität zu steigern. Carsharing, Mifahrgelegenheiten, das Auto auch privat von Familie, Freunden oder Verwandten auszuleihen, oder nur schon mit dem eigenen Partner zu teilen, sind super einfache Lösungen!

 

Weniger Autofahren ist immer besser als eine „grüne“ Alternative

Schlussendlich komm ich wieder auf den Titel zu sprechen. Wenn du deinen Schweinehund öfters gegen das Fahrrad eintauschst, ist das nachhaltiger, als dein Benziner gegen das Elektroauto zu tauschen. Denn wer jetzt mit einem „Öko-Auto“ kein schlechtes Gewissen hat und noch mehr fährt als vorher, trägt nicht dazu bei, dass langfristig ökologische Mobilität gefördert wird. Wie schön wäre es, wenn Städte wieder autofreier, lebenswerter, fahrrad- und fussgängerfreundlicher würden.

PS: Natürlich sind auch Fahrräder ohne „E“ nachhaltiger, aber im Gegensatz zum Auto sind sie deutlich umweltfreundlicher. Wenn du also mit einem Ebike das Auto oft stehen lassen kannst, ist das ein Gewinn für die Umwelt und deine Muskeln :)