Den letzten Monat war es verdächtig ruhig auf unserem Blog, wir waren nämlich am Bauen unseres Tiny Houses. Der Boden ist ja schon länger fertig. Unterdessen haben wir die gesamten Wände, Dachsparren und sogar schon einige Folien angebracht.

Wandbau

Wer ein Haus baut, hat verschiedene Möglichkeiten die Wände aufzubauen. Stein, Beton, Stahlgerüst oder Holzständerbauwerk sind wahrscheinlich die bekanntesten. Wer ein Tiny House auf Rädern, möglichst ökologisch und leicht bauen will, der wird nicht mehr eine ganz so grosse Auswahl haben. Da wir beide keine (grossen) Erfahrunge mit Metall haben und Holz einfacher zu verarbeiten ist, haben wir uns deshalb für die natürliche, nachwachsende Option entschieden.

Material

Holzbalken

Dazu haben wir verschiedene Balken in verschiedenen Stärken bestellt – aus Fichtenholz, da dieses sehr leicht ist und hier in der Region wächst. Im Bau ist es das Standardholz schlechthin und somit auch gut erhältlich. Unsere Wände bestehen hauptsächlich aus 8×6 Balken, einigen inn der Stärke 4×8 und 10×8 (Eckpfosten und Bodenrahmen).

Da der Zimmerer aus der Region nur gehobelte Balken im Angebot hatte (bis auf die Latten), hatten wir das Vergnügen ohne Spiessen davon zu kommen ;)

Schrauben

Wir haben die Holzbauschrauben von Spax mit Tellerkopf, weil die ein grösseres Moment übertragen können als beispielsweise Senkkopfschrauben. Die Schrauben haben ein Teilgewinde, damit sich die Schrauben gut festziehen und sind 6mm stark (die geringste Stärke, die aber auch ausreichen sollte). Die Länge ergibt sich aus den verbindenden Hölzern und dem Teilgewinde. Der “Nichtgewindeteil” muss mindestens so lang sein wie das obere Holz wo der Schraubkopf reinkommt, damit ein Nicht-Festziehen aufgrund des Gewindes verhindert wird.

 

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Los geht’s!
 

Ständerwerk bauen

Als erstes kontrollierten wir, ob die Endstücke des Holzes, welches dann rechtwinklig auf einen anderen Balken trifft, auch gerade sind – waren sie natürlich nicht. Also haben wir das noch so zugesägt und dann nach unserem Plan schön brav einen Balken nach dem anderen zugeschnitten, hingelegt und schliesslich zusammengeschraubt. Dazu haben wir erst vorgebohrt, da 8-10cm ganz schön viel sind und wir sicher gehen wollten, dass das Holz nicht spaltet. Mit unseren Titanbits, gingen die Schrauben dann auch locker rein. Endlich kenn ich alle Funktionen eines Akkuschraubers :D

Wir bauten direkt auf unserem Anhänger und dem Bodenaufbau die Wände, so hatten wir die Masse zum Abschauen gleich unter uns – was manchmal aber auch zu Verwirrung führte, denn der Anhänger selbst, und somit unsere Holzkonstruktion ist wie alles nicht 100% gerade… naja, wenn sogar die Winkel und Wasserwagen aus dem Baumarkt total schief sind, wird es ein Ding der Unmöglichkeit genau zu arbeiten… (ihr seht schon, ein Thema, welches uns verfolgt).

Um rechte Winkel für Boden- oder Wandaufbau zu bekommen, können übrigens auch verschiedene Messtechniken angewendet werden wie hier von Fiona beschrieben – der gute alte Satz des Pythagoras kann man dafür auch endlich mal in „Real-Life“ anwenden.

Da unser Bauplatz mit einem grossen Stapler-Traktor-Ding (ich kenne die Maschine leider nicht mit richtigem Namen) ausgerüstet ist, konnten wir unseren Aufbau zweiteilig machen. Unsere Wände, die insgesamt fast 3.5m hoch sind, konnten wir so in „EG“ und „Loft“ teilen. Erst erstellten wir alle 2m Wände für den Wohnbereich und stellten diese beiseite.

 

Danach fertigten wir Nord- und Südseite des Loftes und verbanden diese mit den 12 Dachsparren mit Hilfe von vielen Helfern, die an diesem Tag zu Besuch waren. Dann bauten wir die Ost- und Westwand ein und liessen das Ganze vom Trailer runterheben. Nun können wir das Dach bequem vom Boden aus decken und dann wieder hochheben.

Wände aufstellen

Als der Trailer wieder frei war, haben wir die Wände aufgestellt, ausgerichtet und mit unseren Querstreben ausgerüstet. Da unser Anhänger aufgebockt und in der Waage steht, war dies viel schneller und einfacher gemacht, als ich mir das vorgestellt hatte. Zu zweit klappten wir eine Wand nach der anderen Hoch, befestigten sie erst mit Schraubzwingen am Bodenaufbau und richteten sie dann noch aus, bevor wir sie festschraubten. Danach kam Wand Nummer zwei und so weiter.

Als wir alle verbunden hatten, versuchten wir unser bestes, alles möglichst rechtwinklig und senkrecht hinzubekommen und verspannten die Wände noch mit Spanngurten, bevor wir sie mit den Querstreben festmachten. Jetzt können die nirgends mehr hin.

Juhui – man sieht schon, wie unser Häuschen später aussehen wird mit Tür und Fenster.

Jetzt warten wir nur noch auf unsere Dachbleche, damit wir diese Montieren, das Dach auf unsere Wände heben und unser Richtfest feiern können!

Hi, ich bin Michelle

Kreativer Wuschelkopf, die seit 2017 auf kuntergrün schreibt, designet, fotografiert, und deine Emails beantwortet.

Nachdem ich mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt habe, weil ich vegan ohne Müll leben wollte, gebe ich dir einiges an Inspiration genau dafür. Am häufigsten in Form von diesem Blog, weil ich hier meine Talente und Leidenschaften einbringen kann:

Mit meinen Worten zu einer nachhaltigeren Welt inspirieren.

All meine Inhalte sind dazu da, dir zu helfen, auch dein Leben zu vereinfachen und in Einklang mit der Natur zu bringen.

Erzähl mir mehr :)
Michelle von kuntergrün

3 Comments

  1. Mani 18. Oktober 2020 at 13:23 - Reply

    Eine Frage, die mich schon lange beschäftigt: Auch dieses Ständerwerk sieht so aus, als wären die meisten Verbindungen tatsächlich ins Hirnholz geschraubt. Immer wieder lese ich in Holzwerker-Foren, dass das strikt vermieden werden soll, und immer wieder erscheinen mir doch die meisten Ständerwerke für Tinys genau auf diese Art erstellt. Meine Frage: sieht das nur so aus oder wurde auch hier wieder so gearbeitet, da man sich auf die Aussteifung und Verstärkung durch die später folgende Verlattung verlassen kann? Vielen Dank schon mal für eine Antwort! Mani

    • Felix 26. Oktober 2020 at 9:11 - Reply

      Hallo Mani. Ja, ich habe auch oft gelesen, dass Schrauben ins Hirnholz vermieden werden sollen. Trotzdem haben wir letztlich doch so gearbeitet, weil viele Leute eben so arbeiten und ich mich davon hab überzeugen lassen. Bisher kann ich sagen, dass unser Haus zwei Transporte gut überstanden hat, ohne sich merklich zu verziehen. Ein Transport davon war die Überfahrt in die Schweiz (ca. 170km) auch über die Autobahn. Mit meinem heutigen Wissen und auch mit meinen jetzt besseren handwerklichen Fähigkeiten würde ich trotzdem versuchen, solche Verbindungen noch mehr zu vermeiden. Beantwortet das deine Frage?
      Beste Grüße, Felix

  2. Konstruktionsholz 12. Januar 2022 at 20:55 - Reply

    Wow, wahnsinns Projekt. Was ein tolles Rahmenwerk, habt ihr wirklich sehr professionell hinbekommen. Ich werde gleich mal weiterlesen und mich auf den aktuellen Stand bringen. Super!

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