Es gibt viele Möglichkeiten, ein Tiny House im Winter zu heizen. Dank dem Holzofen „tinytube„und einem Heizlüfter müssen wir in der Villa Kuntergrün nicht frieren. Hier erfährst, auf was du alles achten sollst, wenn du dein Heizsystem für dein Tiny House planst.

Heizen mit Holz: Welcher Ofen ist der Richtige?

Das man sich kein Öltank ins Tiny House einbaut, ist ja irgendwie logisch. Aber womit heizt man dann? Wir haben uns für Holz entschieden. Stückholz, um genau zu sein. Das bedeutet einiges an Arbeit, aber auch romantische Kaminstimmung am Abend. Andere Öfen können mit Pellets gefüttert werden. Wie alles im Leben, gibt es überall Vor- und Nachteile. Bei der Wahl des Öfelis sind natürlich noch weitere Punkte von Wichtigkeit:

  • Leistung: Kleiner Raum, kleine Leistung. Für ein Tiny House empfiehlt sich ein Ofem mit 2-4 KW
  • Wirkungsgrad: je höher desto besser, denn es geht darum, wie gut das Holz in Wärme umgesetzt wird
  • Grösse: Auch hier gilt, Tiny House, Tiny Ofen, wie soll der sonst reinpassen?
  • Gewicht: Wir haben uns für einen Ofen entschieden, der 100kg wiegt. Dafür wärmt er besser. Zum Transport muss er allerdings wieder aus- und eingebaut werden, was meiner Meinung nach eh sicherer ist, da er ja meist nicht mit dem Boden verschraubt wird.
  • Mindestabstände: Ein Ofen, den man mit 10cm Abstand an die Wand stellen kann, ist praktischer als einer, der 20cm Abstand braucht.
  • Externe Luftzufuhr: Feuer braucht Luft. Da diese im Tiny House durch die Raumgrösse begrenzt ist, empfiehlt es sich einen Ofen mit externer Luftzufuhr zu wählen. Wir haben zudem eine Wärmetauschlüftung eingebaut, welche uns konstant mit Frischluft versorgt, ohne dass wir Wärme durch Lüften verlieren.
  • Legalität“: Ein Ofen aus Kanada hat evt. keine Zulassung für Deutschland oder die Schweiz. Wer also ganz offiziell im Tiny House angemeldet sein will, muss zumindest in Deutschland sein Öfeli sobald der Wagen keine mobile Baute mehr ist, durch einen Bezirksschornsteinfeger abnehmen lassen. Dazu gehört auch eine Wanddurchführung, eine korrekte Abgasanlage etc. Die Verordnungen für Baden Würtemberg findest du hier.
  • Design: Mit oder ohne Fenster, schwarz oder stahlfarben, rund oder eckig – Der Ofen soll natürlich auch schön sein.
  • Funktionen: Heizen, Kochen, Backen, Warmwasser – Öfen können so einiges.
  • Preis: Second hand ist wie immer am günstigsten. Ab 600 Euro findet man dann weiter Modelle…
  • Ökoaspekt: Woher kommt der Ofen? Wo wird er hergestellt? Und was für eine Farbe ist drauf? Optimal ist im Heimatland hergestellt und möglichst ohne schädlichen Farben, welche beim Erhitzen ausdünsten.

Fiona von tiny-house-projekt.ch hat einen sehr ausfürlichen Artikel dazu geschrieben, auf welchen ich alle verweise, die weitere Infos brauchen. Sie hat zudem auch einige Öfen verlinkt, welche als Alternative zum Tinytube verwendet werden könnten.

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Los geht’s!

Unser Heizsystem für die „Villa Kuntergrün“

Holzofen

Warum wir uns für einen Holzofen entschieden haben, hat mehrere Gründe: Einerseits bin ich damit aufgewachsen und finde, dass die Wärme eines Holzfeuers eine ganz andere ist, als die einer Ölheizung. Zudem ist Holz ein nachwachsender Rohstoff, welcher bei uns wächst und deswegen nicht über tausende Kilometer transportiert werden muss. Zudem ist es einfach Lagerbar und setzt nur so viel CO2 aus, wie es beim Wachsen aufgenommen hat.

Natürlich gibt es auch ein paar Nachteile: Erstens muss man den Ofen jeden Tag einheizen, hat also einen erhöhten Aufwand, gegenüber einer Pelletheizung stösst Stückholz auch mehr Schadstoffe aus. Trotzdem haben wir uns für die Stückholzvariante, dafür für einen „Öko-Ofen“ (weiter unten mehr) entschieden.

Schon am Anfang des Baus der Villa Kuntergrün haben wir uns nach einem passenden „Öfeli“ umgeschaut. Von meinen Eltern, welche ebenfalls mit Holz heizen, kenne ich Öfen, auf denen man auch kochen kann, der eine kann sogar backen. Sowas hatten wir uns in den Kopf gesetzt und mussten dann feststellen, dass dies anscheinend nur Öfen mit grösserer Leistung können, die für eine Tiny House ziemlich überdimensioniert sind und das Häuschen innert Kürze in eine Sauna verwandeln würden.

Durch Fiona’s Artikel sind wir dann aber auf Axel Schmitz von firetube gestossen, welcher mit seinen Söhnen gerade einen Tiny House Ofen mit genau den gewünschten Funktionen am Entwickeln war.  Und so kam es, dass wir uns den Prototypen angeguckt haben und für sehr toll befunden haben!

Heizlüfter im Bad

Als wir mit dem Ofenbauer über unser Heizsystem geredet haben, fand er dieses gut gewählt. Einzig im Bad hat er uns noch einen Tipp gegeben: Anstatt einer Infrarotheizung empfahl er uns einen Heizlüfter.

Dies aus folgendem Grund. Eine Infrarotheizung (Strahlungswärme) funktioniert ähnlich wie die Sonne: Sie bestrahlt Gegenstände, welche dann warm werden und somit die Luft wiederum erwärmen. Gerade im Bad, wo viel feuchte Luft ist, muss aber die Luft und nicht die Möbel warm werden, da sie so mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann und dann nach draussen transportieren kann. Ein Heizlüfter wärmt die Luft auf und ist somit optimal (und auch um einiges günstiger). Unser Heizlüfter haben wir von Felix’s Eltern bekommen, die ihn nicht mehr brauchten.

Ursprünglich geplant: Infrarotheizung

Wir haben unterdessen von einigen Leuten gehört, die schon in Tiny Houses oder Bauwägen gelebt haben, dass es mit einem Holzofen eher zu schnell warm wird und dann wieder rasch abkühlt. Um diesen Extremen entgegenzuwirken haben wir einerseits einen Ofen mit Schamottsteinen gewählt und andererseits eine Infrarotheizung als Ergänzung geplant gehabt. Vor dem Einzug ins Tiny House sind wir allerdings nicht mehr dazugekommen und haben einfach beschlossen, es mal ohne Infrarotheizung auszuprobieren. Bisher haben wir sie nicht vermisst.

Falls es mal wirklich nur ein wenig wärmer sein sollte, ziehen wir entweder noch ein Pulli an oder heizen kurz mit dem Heizlüfter.

Zu heiss? Ventilator und Vorhänge

Selbst mit seinen 4.5 KW wird es sehr schnell etwas zu warm in unserem Tiny House – vor allem im Loft. Deswegen haben wir einen Vorhang eingebaut, den wir zuziehen können und somit die Wärme unten behalten können. Vor allem wenn wir abends anfeuern, lohnt sich das. Bei dreissig Grad zu schlafen ist dann doch etwas zu viel des Guten. Und damit die Luft sich von Anfang an besser verteilt (Warme Luft steigt ja bekanntlich nach oben), haben wir einen Ventilator, der die Wärme im ganzen Haus verteilt. Zwei Investitionen, die sich auf jeden Fall gelohnt haben.

Darf ich vorstellen: Unser heissester Mitbewohner 

Nein, damit meine ich nicht Axel’s Sohn Jim, sondern der graue Herr damit: Unser Tinytube, als er gerade frisch geliefert wurde, damit wir es auch schon beim Bauen schön warm hatten. Und der hats drauf. Unterdessen haben wir schon einen ganzen Winter mit ihm eingeheizt und werden ihm den Mietvertrag nicht so schnell kündigen (soll heissen, wir sind zufrieden).

Nach einem langen Bewerbungsperiode, die der Tinytube schliesslich gewann, ist klar, warum er derjenige eingezogen ist: Sein Datenblatt schliesst bei vielen der oben genannten Punkte mit Bravour ab:

  • Leistung: Mit 4.5KW ist er eher an der oberen Grenze, aber immer noch ok
  • Wirkungsgrad: 83 %
  • Grösse: 42x42x92. Es gäbe auch kleinere Öfen, aber da wir ihn als Backofen und als Kochplatte im Winter verwenden können, passt er perfekt rein
  • Gewicht: Mit etwas über 100kg ist er schwer – dafür heizt er besser und länger. Wie schon erwähnt, wollen wir nicht oft umziehen und bauen den Ofen sowieso lieber aus auf der Fahrt (der Sicherheit wegen, weil er nicht festgeschraubt ist).
  • Mindestabstände. Mit nur 10cm seitlich und hinten zu brennbaren Gegenstände passt der Ofen in jedes Tiny House.
    Aber Achtung: Vor den Ofen gehört ein min. 50cm Sicherheitsblech, seitlich sind es 30cm. Diese Vorschrift kommt aber nicht vom Ofenbauer sondern von Verordnungen des jeweiligen Bundeslandes
  • Legalität: Der Ofen ist zugelassen in der EU
  • Design: Mit den Rundungen find ich persönlich den Ofen echt ein Hingucker
  • Funktionen: Backen, Grillen, Kochen – was will man mehr
  • Ökoaspekt: Der Tinytube wird in Deutschland hergestellt und wird als Bausatz ausgeliefert. Er wird aus ökologischen Gründen nicht gespritzt und wird entweder sandgestrahlt oder darf verrosten.

Über den Einbau haben wir hier berichtet.