Der Tiny House Transport bereitet vielen Fragen und Sorgen. Deswegen berichten wir jetzt, wie wir die Villa Kuntergrün umgezogen haben und was es zu beachten gibt. Unser Tiny House steht auf einem Vlemmix Trailer und wurde Ende Mai per Lieferungswagen (als PKW zugelassener Kastenwagen) von Deutschland in die Schweiz transportiert. Wer sich frägt, was man bei einem Umzug über die Grenze alles zu beachten hat, ein Beitrag folgt bald auch dazu. Hier aber erstmal, was es bei einem „normalen“ Umzug innerhalb Deutschland zu beachten gibt.

Tiny House ausräumen

Obwohl es theoretisch möglich ist, das Tiny House so zu bauen, dass alle Schränkchen wie bei einem Wohnwagen zu bleiben, egal wie sehr es rüttelt, ist das bei den meisten Tiny Houses nicht der Fall (sie sind ja primär auch nicht zum ständigen Transport gebaut). Ich habe schon einige Artikel gesehen, in denen der „einfache Umzug“ mit dem Tiny House angepriesen wird, weil man einfach nur das Tiny House an den Anhänger packen muss und los gehts. Ich kann euch schon mal verraten, dass das gar nicht so einfach ist, denn sofern ihr nicht schon beim Bau alles niet und nagelfest gebaut habt und auch gewichtlich hinkommt, muss alles raus.

Anhänger anmelden

Als allererstes sollte dein PKW-Trailer angemeldet werden. Noch besser, du hast ihn schon vor dem Bau angemeldet. Das hat uns nämlich einige schlaflose Nächte bereitet. Wir hatten unser komplettes Haus schon drauf gebaut. Dann wollten wir es das erste Mal umziehen. Also wollten wir beim zuständigen Amt den Vlemmix-Trailer anmelden. Die wollten aber die Seriennummer direkt vor Ort überprüfen. Um dahin fahren zu können, brauchen wir aber die Sondergenehmigung für Überbreite, welche man nur bekommt, wenn der Anhänger schon angemeldet ist. Ihr seht, eine etwas verzwickte Lage. Dank unseres sehr netten Bauer des Vertrauens, konnten wir es dann erstmal einfach per Traktor umziehen. Als es dann darum ging, unser Häusle in die Schweiz zu verfrachten, war klar, dass das mit dem Traktor etwas länger gehen würde… 😉

Also: Fazit der Geschichte, meldet euren Anhänger gleich nach dem Kauf an. Fahrt mit dem Ding vor, wenn euer Amt das auch verlangt, und dann habt ihr das schon mal erledigt. Wir hatten Glück, dass wir eine ganz, ganz nette Beamtin bei unserem zweiten Versuch hatten. Sie kam extra zum Ablesen der Gestellnummer zu unserem Standplatz und das bei Schneesturm. Wir haben also jetzt zwei Jahre TÜV und eine Nummer.

Tiny House wiegen

Unser Tiny House ist ohne Küche, Ofen und jegliche Möbel, die nicht fest verbaut sind 3450 Kilo schwer. Das heisst, wir haben uns eine mobile Waage besorgt, um nicht bei einer Kontrolle blöd dazustehen mit deutlichem Übergewicht. Das grosse Problem ist, dass man dann meist nicht weiterfahren darf. Also: Wiegen, bevor ihr losfährt! Kieswerke, LKW Waagen, Mülldeponien oder Bauer mit viel Saatgut sind gute Anlaufstellen zum Wiegen. Ansonsten gibt es ab ca 120 Euro auch Campingwaagen, die super klein und praktisch sind. Damit könnt ihr dann auch gleich sehen, ob einzelne Räder zu viel Gewicht haben.

Wir hatten beispielsweise zuerst 400kg Stützlast (sollte bei unserem Anhänger max. 150kg sein) auf dem kleinen Rad vorne bei der Anhängerkupplung. Also alles, was vorne war wieder ausbauen… sowas könnte man sich auch beim Bau schon überlegen – nur so als kleiner Tipp.

Wohin mit den Kartons?

Eine Frage, die man sich auch erst beim Umzug mit Tiny House stellt, ist, wohin stellt man denn die ganzen Kartons und Dinge, die sonst in der Wohnung in ein Zimmer gestapelt werden. Wir haben kein extra Zimmer. Aber zum Glück sehr nette Nachbarn. Ich habe nämlich keine Lust, für ne Woche nirgends mehr hingehen zu können, weil alles vollgestellt ist. Also ab in die Garage damit.

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Los geht’s!

Zugfahrzeug organisieren

So, jetzt wird’s langsam richtig interessant: Was für Fahrzeuge, können denn so ein schweres Haus ziehen? Traktor habe ich ja schon erwähnt, aber auch sehr starke PKWs schaffen das. Gewisse Sprinter oder kleine Lastwagen / Lieferwagen können es ebenfalls ziehen. Wichtig bei allen ist bloss, dass das Zugfahrzeug zugelassen ist, 3.5 Tonnen zu ziehen und eine Anhängerkupplung hat, die eure Stützlast verträgt. Entweder man mietet sich ein passendes Zugfahrzeug oder lässt es sich per Spedition fahren. Der Vorteil bei einem Sprinter oder Lieferwagen ist, dass man den restlichen Besitz gleich mitumziehen kann und so nicht noch extra ein zusätzliches Zügelfahrzeug organisieren muss.

Achtung: Für alle, die Überbreite haben: Die meisten Autovermieter geben den genauen Autotyp inklusive Nummernschild erst einige Stunden vor Mietbeginn durch. Das heisst, dass man die genauen Angaben für die Anmeldung der Überbreite nicht hat. Hier müsste man also ein Auto von einem Freund/Bekannten ausleihen können, wo das Kennzeichen schon bekannt ist oder über eine Spedition gehen.

Übrigens: Der kleine PKW auf dem Bild hat uns nur geholfen die Lichter zu prüfen, wir haben das Haus natürlich nicht damit umgezogen…

Passender Führerschein

Doch nicht nur das Zugfahrzeug muss stimmen, man braucht auch einen passenden Führerschein, mit welchem man erlaubt ist 3.5 Tonnen Anhänger zu ziehen. Felix und ich müssten beide einen Extra-Prüfung machen. Glücklicherweise haben wir aber einige Freunde, die über 40 sind und das noch „gratis“ in den Führerschein eingetragen bekommen haben. Ganz ohne ist es aber auch nicht, so ein Ding zu fahren.

Überbreite

Um Überbreite anzumelden, braucht man die genauen Daten des Zugfahrzeugs, sowie die Masse der Ladung. Zudem muss die genaue Strecke angegeben werden. In Deutschland kann dies unterdessen mithilfe eines Onlinetools eingereicht werden, die Bearbeitung dauert circa 10 Tage und die Fahrt muss dann innerhalb der nächsten 3 Monaten stattfinden. Das ist insofern praktisch, weil man je nach Wetter noch etwas Spielraum hat – bei Sturm würden wir ungern mit unserem Tiny House über die Autobahn brettern. Die Anmeldung für eine Fahrt mit Überbreite kostete uns 72 Euro. Falls das Haus über 3m breit ist oder höher als die 4m, kann es ganz schön teuer werden – dazu haben wir keine genauen Angaben, aber wahrscheinlich ist ein Begleitfahrzeug mit Lampen etc. nötig.

Wer Überbreite hat braucht auch entsprechende Tafeln (weiss-orange), die hinten und vorne angebracht werden müssen. Bei schlechter Sicht oder in der Nacht müssen auch zusätzliche Beleuchtungen angebracht werden. Da wir unser Haus bei helllichtem Sonnenschein transportierten, war letzteres nicht nötig.

Anhänger prüfen

Bevor es losgeht, sollten die Radschrauben der Reifen nochmals nachgezogen, der Luftdruck überprüft , das Licht getestet und die Bremsen geprüft werden. Je nach Anhänger und Alter gibt es hier noch Weiteres zu beachten.

Ladungssicherung

Das Tiny House kann erheblichen Schaden anrichten, wenn es nicht gut mit dem Trailer verbunden ist. Das will niemand und deswegen lohnt es sich, die Ladungssicherung ernst zu nehmen. Zuerst sollten die Flügelmutter oder was auch immer ihr habt zur Verbindung des Hauses mit dem Anhänger gut nachgezogen werden. Allenfalls sollte mit Spanngurten das Haus noch besser auf den Anhänger festgezurrt werden.

Zusätzlich haben wir unter dem Tiny House Latten vor und hinter die Stahlstreben geschraubt, dass das Haus gar nicht nach vorne oder hinten rutschen könnte.

Im Haus sollte alles, was nicht rausgenommen wird, niet und nagelfest gemacht werden. Wir haben zudem Balken reingemacht, damit die Wände besser abgestützt werden.

Die Fenster sollten (sofern ihr keine bruchsicheren Fenster eingebaut habt) mit Pappe, Folie oder Sperrholz zugemacht werden, damit die Scheiben durch einen Steinschlag nicht brechen können , und falls doch was passiert, das Glas nach innen fällt. Je nach Anhänger und Aufbau müsst ihr euch natürlich noch weitere Ladungssicherungen überlegen.

Pannenausrüstung

Es empfiehlt sich, eine Pannenausrüstung mit dabei zu haben. Wir haben uns ein Ersatzrad besorgt, da wir schon von 2 Vlemmix-Trailern mit Tiny House obendrauf gehört haben, bei denen ein Reifen kaputt ging. Das Ersatzrad hilft aber nur was, wenn auch 2 Waagenheber mit eingepackt sind, ein Schlüssel, um die Radschrauben lösen zu können und natürlich auch ein Leuchtdreieck.

Während dem Transport vom Tiny House

Langsam fahren – vor allem am Anfang. So könnt ihr sehen, wie sich das Tiny House auf der Strasse bewährt. Wenn es zu sehr windet, würden wir die Fahrt verschieben. Es empfiehlt sich auch, dass jemand hinter dem Haus nachfährt. So sieht man von zwei Positionen aus, falls etwas passiert. Freunde von uns waren sehr froh hinterher zu fahren, weil der Fahrer nicht merkte, dass ein Rad kaputt ging.

Nach dem Transport

Als erstes beim Fahrer bedanken 🙂 Wir waren super froh, dass unser Tiny House so gut über 150 Kilometer gefahren wurde. Danach können die Fenster wieder freigemacht werden und das Haus aufgebockt werden. Die Räder sollten nicht dauernd die 3.5 Tonnen (oder mehr, sobald das ganze Umzugsgut wieder ins Haus kommt) tragen müssen. Beim Aufbocken achten, dass das Haus in der Waage liegt und ein paar Tage oder Wochen später nochmals nachjustieren – vor allem bei weichem Untergrund.

Nun können auch die Wasser, Strom und Abwasseranschlüsse angeschlossen werden und die Schachteln und Möbel wieder ins Haus gebracht werden. Der letzte Punkt: Einziehen und geniessen!