Als ich vor ein paar Jahren mich intensiv mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt habe, war es mein absolutes Lieblingswort. Es kann so unglaublich vieles mit einfassen, was mir gefällt, weil ich ein Mensch mit vielen Interessen, Stärken (und Schwächen) bin. Alles kann nachhaltig sein – vom Klopapier bis zum Arbeiten.

Das wiederum führt aber auch dazu, dass das Wort schnell seine Magie verliert und nur noch als leere Hülle für etwas steht, was niemandem so ganz klar ist.

Und dann kam der grosse Nachhaltigkeitstrend.

Erst freute ich mich darüber. So viele kleine neue Geschäftsideen, Produkte, wo man spürte mit welcher Leidenschaft Menschen hinter ihrem Tun steckten. Bienenwachstücher wurden von Hand in kleinen Firmen hergestellt, liebevoll verpackt und versendet. Ich war überglücklich, dass immer mehr Menschen begriffen, wie wichtig es für uns selbst, für die Natur und den ganzen Planeten ist, unser Handeln etwas zu überdenken und den Wegweisern Richtung einem Leben im Einklang mit der Natur (von der wir übrigens ja auch Teil sind), zu folgen.

Tja, das haben die Grosskonzerne logischerweise auch mitbekommen.  Seither findet man auf fast allen Firmenpages den Tab Nachhaltigkeit.

Versteh mich nicht falsch – es ist toll, dass auch die „Grossen“ auf den Zug aufspringen. Besser als das sie es nicht tun und weiter so machen, wie sie es bisher getan haben. Sie erreichen die Massen. Und wenn sich Leute dann im Lidl anstatt Plastikstrohhalme welche aus Edelstahl besorgen, toll.

Das Problem liegt für mich darin, dass hinter diesem Tab oft schöne Worte mit den gängigen Definition stehen. Auch hier: Worte sind wichtig. Worte sind meine Welt. Aber ohne darauffolgende Taten, kommen wir nicht voran. Ich bin eine Macherin (ja, ich weiss, und ein ganz schönes Plappermaul obendrein– aber eben, danach folgen in den allermeisten Fällen auch Taten!).

Ich mag keine Versprechen, die nicht gehalten werden. Und ich glaube, das geht den meisten so.

Wie definiert man also Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit wird oft in drei Bereiche Ökologie, Ökonomie und Soziales aufgeteilt. Für mich sind die drei Bereiche wie drei Kreise. Da wo sie sich alle überkreuzen, findet Nachhaltigkeit statt.

Der Umgang mit der Natur und ihren Ressourcen (Ökologie) ist dann nachhaltig, wenn nicht mehr genommen wird, als wieder nachwachsen kann, so dass keine Ausbeutung stattfindet, sondern ein Kreislauf. Also anstatt literweise Wasser zu verseuchen bei der Erdölförderung, um nachher ein billiges Polyester-T-Shirt zu verkaufen, lieber ein nachwachsendes Rohmaterial nehmen. Da kommt aber auch schon der nächste Punkt: Nachhaltig heisst auch, dass die Erde und Tiere und Menschen darunter weder vergiftet werden noch leiden. Idealerweise.

Die wirtschaftliche Seite (Ökonomie) ist wichtig für eine Zukunft für alle. Aber anstatt alles ganz billig anzubieten (auf Kosten der Erde, des Klimas und der Menschen), könnte die Kreislaufwirtschaft und die Gemeinwohlökonomie enkeltaugliche Alternativen bieten. Denn ganz ehrlich, wir alle brauchen Essen, ein Dach über dem Kopf, Bildung, Transportmittel und einiges mehr, um ein gutes Leben führen zu können. Dafür wurde das Tauschmittel Geld erfunden. Um den Handel mit Dienstleistungen und Gegenständen zu vereinfachen. Das ist nichts schlechtes. Aber es hat dazu geführt, dass wir oft nicht mehr wissen, was hinter einem Produkt steckt. Und dass wir das Geld an sich zu einem Gut gemacht haben, wovon man viel besitzen möchte.

So, bevor ich hier noch weiter über Geld philosophiere, zurück zum Thema. Nachhaltige Produkte sind oft teurer. Weil sie fairer, ökologischer sind. Wie soll denn jemand Bambuszahnbürsten herstellen ohne Geld und ohne Lohn? Bis wir in einer geldfreien Utopie leben, wird es nötig sein, auch mit Nachhaltigkeit Geld zu verdienen. Deswegen biete ich Workshops und Bücher zum Thema an. Weil auch ich meine Rechnungen bezahlen muss.

Der letzte Punkt hängt eng zusammen mit dem Sozialen: Wie viel Lohn ist angebracht für eine selbständige Autorin, Bloggerin und Workshopleiterin? Wie viel Lohn ist angemessen für eine Näherin in Bangladesh? Die Antwort darauf für mich ist einfach: So viel, dass alle ein gutes Leben führen können. Und damit meine ich nicht, dass man 5 Häuser besitzt, eine Yacht und ständig das neuste Auto. Damit meine ich, dass unsere Grundbedürfnisse gestillt werden können, dass wir uns entfalten können und zufrieden sind.

Soweit zu der relativ bekannten Nachhaltigkeitsdefinition, die ich der Vollständigkeitshalber auch auf meinem Blog in meine eigene Worte gefasst habe.

Was ist denn Nachhaltigkeit für mich persönlich?

Nachhaltigkeit heisst, nicht nur an morgen, sondern auch an über-übermorgen zu denken. Nachhaltigkeit heisst, Kreisläufe zu schaffen. Nachhaltigkeit heisst, nicht nur an die eigenen Bedürfnisse zu denken. Nachhaltigkeit heisst, darüber nachzudenken, welche Folgen unser Handeln hat. Nachhaltigkeit heisst, aus Liebe zur Mitwelt das eigenen Handeln so anzupassen, dass es alle gut haben können – auch noch nicht einmal geborene Generationen.

Und wie ich schon hier geschrieben habe, ist für mich Nachhaltigkeit eine Liebeserklärung an die Welt.

Wie sehr hast du dein Leben schon auf den Kopf gestellt und nach Wege für ein nachhaltiges Dasein gesucht? Und was verstehst du darunter?

Lass es mich gerne wissen in den Kommentaren :)