Auf 16 Quadratmeter Grundfläche zu zweit im Tiny House leben: Das ist für einige wohl unvorstellbar. Für uns ist es Alltag. Es ist zwar nicht immer einfach, hat uns aber sehr viel gelernt. Wir haben ein Jahr lang in Deutschland nur im Tiny House gelebt. Das ist unser Fazit:

Zu zweit im Tiny House

Ja, es kann ganz schön eng werden, wenn zwei Leute ständig im gleichen Raum sind – gerade zu Coronazeiten. Doch auch im Winter, wenn das Wetter draussen nicht gerade einlädt, sich in der Natur aufzuhalten, wünschten wir uns schon öfters einen zweiten Raum. Frühling bis Herbst kann man sich natürlich auch auf der Terasse aufhalten oder einen Spaziergang in den Wald machen, doch dazu muss einer immer raus – was nicht immer so gut klappt.

Keine Rückzugsmöglichkeit

Denn obwohl wir ein Schlafloft haben, das mit Vorhang abgetrennt werden kann, haben wir keinen Extraraum, wo man sich richtig zurückziehen kann. Da wir beide das erste Jahr viel von zuhause aus gearbeitet haben, „sassen“ wir dementsprechend immer aufeinander. Rückzugsmöglichkeiten kann man sich natürlich auch schaffen, in dem die eine Person regelmässig weg ist – beispielsweise auf der Arbeit, beim Einkaufen oder beim Sport. Das würde auf jeden Fall helfen, aber dadurch ist Rückzug nur dann möglich und nicht, wenn man sich spontan mal in einen anderen Raum begeben möchte.

Ein Raum zur Mitbenutzung

Eine Lösung, die wir für uns schaffen möchten, ist, dass wir einen weiteren Raum zur Mitbenutzung haben. Das war mit der Idee, einer Tiny House Gemeinschaft schon von Anfang an da, nur nicht so schnell umsetzbar. Da wir nicht je ein Raum für uns brauchen, aber zum Beispiel eine Werkstatt, ein Büro, ein Kreativraum brauchen könnten, suchen wir uns einen Platz, an welchem wir diese Möglichkeiten haben. So haben beide Personen Möglichkeiten, entweder alleine zu sein oder andere Räume mitzubenutzen. Denn wenn ich was Nähen und Felix die Leisten im Winter im Haus zuschneiden will, sind 16qm einfach zu eng.

Aufräumen. Repeat.

Gefühlt jeder zweite Handgriff besteht im Tiny House aus Aufräumen. Ordnung ist hier nicht nur das halbe, sondern mindestens dreiviertel Leben 😉 Auf kleinem Raum und mit zwei Personen kann sich Chaos ganz schön schnell ausbreiten. Wenn wir beispielsweise am Esstisch arbeiten und dann essen wollen, muss erstmal alles verräumt werden. Kreative Hobbies wie das Malen auf grossen Leinwänden können ebenfalls nicht so leicht ausgelebt werden, wie in einem grössen Raum, wo zumindest die Bodenfläche etwas mehr Platz hergibt. Das sollte man sich bewusst sein, oder eben, für sich Sorgen und Räume zur Mitbenutzung organisieren.

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Los geht’s!

Musik und Stille

Ich bin ein totaler Musikfan, könnte den ganzen Tag was hören, während Felix die Stille zu schätzen weiss. Nun, in einem Tiny House wird es schwierig, beides zu vereinen, somal wir keine Tür zum zumachen haben. Dafür haben wir uns richtig gute Kopfhörer geholt. Damit klappt es wunderbar. Ich kann abtauchen und Felix hat seine Ruhe. So kann auch der eine einen Film gucken, wenn der andere noch etwas erledigen will. Die Kopfhörer hatten wir nicht von Anfang an, helfen uns aber enorm, seitdem wir sie besitzen.

Und was ist mit Streit im Tiny House?

Bis auf die kleine Klotür und die Haustür, gibt es in unserem Tiny House keine Möglichkeit, eine Tür zuzuknallen, wenn man wütend auf den/die Partner/in ist. Das finden wir auch gut so. Man kann dem anderen auch in Konfliktsituation nicht wirklich aus dem Wege gehen. Das hat bei uns den Vorteil, dass wir den Konflikt einfach viel früher aus dem Weg schaffen, Lösungen finden, einander zuhören und verstehen lernen.

Bewusste Kommunikation

Der Schlüssel für eine gute Kommunikation bei uns liegt im erkennen und mitteilen der eigenen Bedürfnisse. Und im aktiven Zuhören. Denn ganz oft ist es einfach wichtig, sich verstanden und gehört zu fühlen. Je mehr man übt, desto einfacher wird’s. Durch den engen Raum geht die „Probleme-unter-den-Teppich-kehren“-Strategie nicht – wenn was ist, wird es meist sehr schnell zum Thema gemacht und ist dementsprechend noch nicht so emotional behaftet, wie etwas was schon lange unter verschlossenem Deckel gart.

Herausfordernd und bereichernd

Wie oben angeklungen, gibt es einige Herausforderungen zu zweit im Tiny House. Es ist wie vieles eine weitere kleine oder auch nicht so kleine Prüfung für die Beziehung. Vielleicht kennst du es ja auch aus dem Urlaub, wo man plötzlich 24 Stunden am Tag mit dem Partner zusammen ist… das wird einigen zu viel. Für die ist das Leben im Tiny House ohne eigenen Rückzugsort vielleicht auch einfach nicht das richtige. Gleichzeitig ist es eine Bereicherung, so wenig zu besitzen, sich nicht immer quer durch die riesige Wohnung was zuzurufen. Es ist schön, dass wir Konflikte meist sehr schnell beheben können und super gut geworden sind, flexible Lösungen zu finden. Schliesslich ist es für uns auch einfach wunderbar, das Leben mit einem Menschen zu teilen, egal ob dies nun zu zweit im Tiny House oder sonst wo ist.