Wir sind Felix und Michelle. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, möglichst nachhaltig zu leben. Darüber blogge ich ja schon ne ganze Weile. Gegen aussen sieht das ja meist super toll aus, weil ich ja immer schön die coolen Ökotipps verbreite. Aber wie nachhaltig leben wir denn wirklich? Ich hab mal versucht aufzulisten, was wir tun und was auch nicht.

Denn, auch wir sind nicht perfekt. Und darum geht es mir mit diesem Blog und der Nachhaltigkeit gar nicht.  Mir geht es darum, immer wieder für Inspiration zu sorgen, in Austausch zu gehen und gemeinsam eine Welt zu erschaffen, wo du und ich (und Tiere, Pflanzen, die Erde, zukünftige Generationen) gut leben können.

 

Wohnen

Nachdem wir aus dem Tiny House ausgezogen sind, wohnen wir nun in einem richtig grossen Haus. Da ist der Verbrauch an Energie natürlich erstmal höher. Allerdings heizen wir mit Holz aus dem eigenen Wald, haben eine PV für Strom und Warmwasser und möchten in den nächsten Jahren das Haus deutlich besser dämmen, so dass wir weniger heizen müssen.

Den Umbau und Renovationen möchten wir, wo auch immer möglich, mit Materialien, die Kreislauffähig sind und CO2 binden, gestalten. So haben wir beispielsweise unsere neue Bürowand mit Hanfdämmmatten, die biologisch abbaubar sind, gedämmt. Auch baubiologisch soll das ganze natürlich verträglich sein, weshalb wir keine giftigen Lacke etc. oder eben auch Materialien verbauen wollen.

Den zum Haus dazugehörigen Umschwung pflegen wir komplett ohne Pestizide, Herbizide und was es sonst noch so gibt. Aus dem Garten holen wir täglich Gemüse, Kräuter und Obst (so viel wie der Garten gerade hergibt).

Alles was wir neu pflanzen, soll entweder essbar oder heimisch oder beides sein :)

Zudem planen wir unser Zuhause immer wieder zu öffnen, in dem wir Seminare anbieten. Sharing ist caring sozusagen.

Neues altes Zuhause

 

Einrichtung

Fast all unsere Möbel sind Second-Hand oder aus Holz selbstgebaut. Vieles haben wir von meinen Eltern übernommen, und vieles über Second-Hand-Plattformen gekauft.

Da wir auch bei Second Hand darauf achten, dass die Materialien möglichst „natürlich“, gesund, gut recyclebar und reparierbar sind, ist das gar keine so einfache Sache. So besteht unser Teppich aus zweiter Hand beispielsweise aus Wolle und Baumwolle, aber der Sonnenschirm ist aus Polyester, da wir keinen aus Baumwolle gefunden haben (auch second hand).

 

nachhaltig lebenMobilität

Wir besitzen zwei Ebikes, mit denen wir gerne kürzere Strecken zurücklegen. Ich habe seit neustem auch ein Fahrradanhänger, mit dem ich einkaufen gehen kann.

Und dann haben wir noch unseren heissgeliebten Caddy. Mit einem Auto für 2 Personen sind wir in unserem Kuhdorf deutlich unter dem Durchschnitt. Der Nachteil des Lebens auf dem Land ist, dass wir keine ÖV Verbindungen haben. Das rechtfertigt zwar noch nicht den Besitz eines Autos, aber es ist schon eine recht grosse Herausforderung ein Hausbau (und vor allem den Materialtransport) und jegliche Besuche nur mit Fahrrad und Zug zu machen. Auch das würde bestimmt irgendwie gehen, es ist also unsere bewusste Entscheidung, das Auto zu haben.

 

Urlaub

Wir fliegen so selten wie es geht, haben aber beispielsweise beide schon Weltreisen gemacht und würden uns auch mal wieder einen Flug leisten, wenn uns ein bestimmtes Land sehr reizt. Allerdings gehören wir definitiv nicht zur Gruppe, die für ein Wochenende nach New York oder eine Woche Thailand Kurzurlaub fliegt.

Strecken, die wir ohne Flugzeug zurücklegen können, fahren wir mit Zug oder machen einen Campingausflug mit unserem Caddy, der gleichzeitig „Wohnmobil“ ist. So verbringen wir unsere Urlaube meist auf dem Camping, bei Freunden oder in Ferienwohnungen.

nachhaltig campen

 

Ernährung

Sowohl Felix als auch ich ernähren uns vegan. In den allermeisten Fällen klappt das sehr gut, aber bevor essen weggeworfen wird oder wir „verhungern“ an einer Veranstaltung, essen wir auch was Vegetarisches auswärts. Da wir aber gerade Restaurants eigentlich immer im Vornherein anfragen, kommt das eher auf privaten Feiern vor.

Wir kaufen fast alle unsere Lebensmittel unverpackt ein, sie sind zudem ebenfalls fast alle bio oder demeter und das Gemüse kommt entweder aus dem eigenen Garten oder von Bauern aus der Umgebung.

Fastfood haben wir keines zuhause, ausser man zählt Couscous mit selbstgemachtem Bärlauch-Pesto dazu ;)

 

Kleidung

Ich habe die allermeisten Kleider second hand gekauft, einzelne Stücke in Bio-Baumwolle auch neu (vor allem Unterhosen und Socken). Felix hat fast nur Fairfashion oder Second-Hand-Kleider im Schrank.

Das ist ehrlich gesagt nicht immer so einfach, weil man für Männer auf dem Land nicht gerade eine grosse Auswahl an Secondhand Fashion findet und in Luzern das Fairfashion-Angebot jetzt auch nicht wahnsinnsgross ist. D.h. im Internet bestellen, anprobieren und allenfalls zurückschicken. Und wenn es bei Ökomarken kein passendes Hemd gibt, kaufen wir halt doch mal eins ganz konventionell.

 

Haushalt

Ich versuche so viel wie möglich selbst zu machen: Wir produzieren dadurch nur sehr wenig Müll, das meiste fällt von unserem Haus(um)bau an.

Putzmittel, Mayo, Zahnpasta, Deo, Insektenspray und vieles mehr mache ich aus einfachen Zutaten, die weder für mich noch die Umwelt schädlich sind selbst. Das klingt nach viel Arbeit, ist es aber nicht, sobald man seine „Hausrezepte“ gefunden hat.

Da wir nach den Prinzipien von Zero Waste leben, haben wir sehr viele langanhaltende Produkte im Haushalt: Kaffeefilter aus Stoff, Rasierhobel wie zu Opa’s Zeiten, Stofftaschentücher, eine Podusche, waschbare Ohrenstäbchen,…

Beim Kauf von neuen Gegenständen achten wir so gut es geht darauf, dass sie gut recycelbar und reparierbar sind.

Beide unserer Handys sind zwar neu (unterdessen auch nicht mehr), aber modular, fair produziert und leicht reparierbar. Sie haben sogar ein Pfand drauf :) Shift ahoi!

Arbeit

Felix ist seit einem Jahr bei der Hochschule Luzern angestellt und forscht da meist zu nachhaltigen Themen, weil er sich viele Projekte auch selber aussuchen kann. Nebenher macht er seine Doktorarbeit zum Thema Strom- und Wasserversorgung für Kleinwohnformsiedlungen.

Ich bin selbständig mit kuntergrün und kann mir meine Projekte ebenfalls selbst aussuchen :D Deswegen gibt es diesen Blog, Vorträge, Seminare, Bücher und alles, was mein Herz sonst noch begeistert und mit Nachhaltigkeit zusammenhängt.

 

Finanzen

Unsere Privatkonten mit den Ersparnisse liegen bei einer der zwei nachhaltigen Banken der Schweiz. Als „Tageskonto“ haben wir die Bank erwählt, wo meine Schwester arbeitet. Von dort werden Versicherungen, Essensgeld etc. abgezogen. Viel Geld zum Verwalten und in Geschäfte zu investieren, die uns nicht passen, ist da nicht. Zudem sagt auch diese Bank, dass sie keine „dreckigen“ Geschäfte unterstützt. Naja, war uns einfach etwas teuer, bei ner anderen Bank. Mal schauen, vielleicht wechseln wir das auch noch…

Was ist (noch) nicht so nachhaltig?

Zusammenfassend tun wir (meiner Meinung nach) schon sehr viel für ein nachhaltiges Leben. Gewisse Dinge sind aber für uns ein Verzicht, weswegen wir sie momentan nicht weglassen, obwohl wir wissen, dass es besser für die Umwelt wäre: Da gehört das Auto beispielsweise dazu. Oder das wir uns kein „ich-werd-nie-wieder-fliegen-Gebot“ auferlegt haben.

Zwischendrin holen wir uns auch einfach bei Lidl einen Berliner, weil wir Bock auf Berliner haben, egal ob der jetzt vegan ist und fair und bio oder nicht.

Wir kaufen auch einiges an Lebensmittel in (Plastik-)Grosspackungen bei Koro ein, das, was wir nicht im Unverpacktladen bekommen. Sojaschnetz und Hefeflocken beispielsweise. Gibt’s in einigen, aber eben nicht in dem, der am nächsten liegt.

Felix als „Bierologe“ trinkt am liebsten ganz verschiedenes Bier: D.h. wir kaufen nicht nur das Biobier in Pfandflasche, sondern auch Bier aus aller Welt und pro-bieren uns durch verschiedenste Sorten. Der Transport von diesen Glasflaschen ist jetzt auch nichts, womit wir auftrumpfen :D

Du siehst. Wir tun viel aber auch nicht alles. Weil wir auch leben wollen. Und weil es manchmal einfach unglaublich schwierig und anstrengend wird, wenn man alles perfekt machen will. Das macht nicht glücklich. Damit wird man es auch nicht lange durchhalten. Also lieber ein paar Dinge krumm sein lassen, dafür die anderen ohne Verzichtsgefühl anwenden im Alltag und dabei ein gutes Gewissen und ein glückliches Lächeln zu besitzen.

 

PS: Auf der Suche nach einem Titelbildd ist mir gerade aufgefallen, dass Felix und ich schon lange keine Fotos mehr von uns gemacht haben… ausser mal ein Selfie auf einer Wanderung :)