Warmwasser

Sofern du nicht kalt duschen und abwaschen willst, empfiehlt es sich, auch eine Warmwasserbereitung zu installieren.
Campinglösung
Da gibt es zum einen Komplettsysteme aus dem Campingbereich, bei denen ein Gasbrenner sowohl eine kleine Menge Warmwasser bereitet, als auch die Heizwärme bereitstellt. Dafür benötigst du dann immer wieder gefüllte Gasflaschen, die es natürlich überall zu tauschen gibt. Du bist dann aber abhängig von diesen Flaschen und verbrennst Gas, dieser Prozess setzt CO2 frei. Zudem sind Gasinstallation nicht ungefährlich und müssen in regelmäßigen Abständen gewartet und instandgehalten werden. Das kann auch immer wiederkehrende Kosten verursachen. Vorteil ist, dass du auch ohne Anschlüsse Warmwasser bereiten kannst. Wir sagen hier explizit nicht „autark“, denn wenn du abhängig bist von Gaslieferanten, dann ist das für uns nicht wirklich autark.
Rauchgaswärme und Solarthermie
Wenn du einen Holzofen als Heizung verwendest, dann kannst du dessen Abwärme auch zur Erwärmung deines Wassers nutzen. Wir halten das für ein sehr nettes Prinzip, einfach das Rauchgasrohr durch einen Wärmetauscher zu führen, der das Wasser erwärmt. Das funktioniert für den Winter super und kann auch als zusätzlicher Raumwärmespeicher genutzt werden. Falls du aber im Sommer auch nicht auf Warmwasser verzichten willst und gleichzeitig nicht den Ofen anschmeißen willst (man will ja nicht immer gleich eine Sauna haben), dann brauchst du zusätzlich eine „Sommerlösung“. Dafür könntest du zum Beispiel Solarthermie auf dein Dach installieren. Die sollte auch recht gut mit indirektem Licht funktionieren, besser zumindest als eine PV-Anlage. Allerdings benötigst du dann für die zwar recht warmen aber sonnenarmen Tage noch eine Lösung. Das wird dann meistens über einen elektrischen Zusatzboiler gemacht. Der smarte Zusatznutzen der Abwärme des Holzofens wird dann leider durch den Aufwand der zusätzlichen Systeme wettgemacht.
Autarkie in der Gemeinschaft
Wie auch bei der Wasseraufbereitung allgemein und bei der elektrischen und Wärmeenergieversorgung haben wir uns entschieden, in unser Haus nur die nötigste und einfache Technik zu installieren. Unser Plan war es letztlich mit unserem Tiny House in einer Gemeinschaft zu stehen. Diese Gemeinschaft sollte dann autark werden, aber nicht jedes einzelne Häuschen. Dann lohnt sich auch die Installation von mehreren Systemen, die sich dann alle durch Synergien und Mehrfachnutzen auszeichnen. Daran forscht Felix gerade im Rahmen seiner Dissertation.
Durchlauferhitzer
Bevor wir uns für einen Boiler entschieden hatten, stand auch kurz ein Durchlauferhitzer zur Debatte. Das Interessante hierbei ist, dass das Wasser nicht dauerhaft auf Temperatur gehalten werden muss, wodurch es ja zu Wärmeverlusten kommt, wenn das Warmwasser längere Zeit nicht genutzt wird. Bei einem Durchlauferhitzer wird nur das gerade benötigte Wasser in der Nähe der Entnahmestelle (also z.B. der Dusche) erwärmt. Dadurch können die Verluste teilweise immens verringert werden. Das Problem der Durchlauferhitzer liegt aber bei der riesigen Leistungsaufnahme. Während ein Boiler 1-2kW benötigt, schlägt ein kleiner Durchlauferhitzer schon mit 18-21kW zu Buche. Das müsste dann wirklich mit dem Netzbetreiber abgeklärt werden, und das wiederum ist schwierig, wenn man gar nicht weiß, wo das Häuschen letztendlich steht, bzw. wenn es auch mal umziehen wird. Man schränkt sich also mit einem Durchlauferhitzer viel zu sehr ein, beispielsweise wird man kaum einen Campingplatz finden, der so viel Leistung bereitstellen wird. Die Anschlüsse sind einfach nicht darauf ausgelegt.
Der Boiler in der „Villa Kuntergrün“
Wir haben uns also für den elektrischen Boiler EW4 von Viessmann entschieden, der 30 Liter fasst. Es gibt Boiler in verschiedenen Größen, aber auch nicht in jeder Größe. Wir hatten kleine Boiler mit 10 und 15 Litern gefunden, dann mit 30 welche und noch größere mit 50, 70, 120 usw. Bevor wir uns für eine Speichergröße entschieden hatten, haben wir unseren Wasserverbrauch, insbesondere den Warmwasserverbrauch in unserer Mietwohnung beobachtet. Eine Zeitlang haben wir vor und nach jedem Duschgang die Stände der Wasseruhren abgelesen und den Verbrauch ermittelt. Dabei ist herausgekommen, dass wir mit 30 Litern Warmwasser in den allermeisten Fällen auskommen, auch wenn wir beide hintereinander duschen und Michelle ihre langen Haare wäscht. 15 Liter waren uns zu knapp, mehr als 30 Liter empfanden wir als unnötig.
Kosten für Warmwasser
Noch eine kleine Rechnung: Wir duschen nicht jeden Tag, aber wir waschen jeden Tag ab, was ein paar Liter Warmwasser benötigt. Rechnen wir mal mit 20 Litern Warmwasser pro Tag. Nehmen wir weiter an, dass das Wasser in der Frischwasserleitung mit ca. 10°C ankommt und wir den Boiler auf 60°C einstellen (kälter ist schlecht wegen der Legionellen, heißer kann bei hartem Wasser zu Problemen mit Kalkablagerungen führen). Das macht einen Temperaturunterschied von 50 K (Temperaturdifferenzen werden in Kelvin (K) angegeben, nicht in °C ;)). Um 1 Liter Wasser um 1 K zu erhöhen wird eine Energie von 1,16 Wh benötigt. Wenn wir nun also 20 Liter um 50 K erwärmen wollen und das an 365 Tagen im Jahr, dann kommen wir auf einen jährlichen Energieverbrauch für die Warmwasserbereitung von 423,4 kWh, was aktuell ca. 127,- € entspricht. Inklusive der Abschreibung der Boilerkosten über 10 Jahre kommen wir auf Gesamtkosten für die Warmwasserbereitung von 184,84 € pro Jahr.
Elektrischer Anschluss
Unseren Boiler können wir auf verschiedene Weisen anschließen, mit entweder 1kW oder 2kW Leistungsaufnahme. Um unsere Stromkreise zu schonen, haben wir uns für die 1kW-Variante entschieden. Im Extremfall, also wenn wir gerade die kompletten 30 Liter Warmwasser aufgebraucht haben, benötigt der Boiler dann ca. 1 Stunde und 45 Minuten um die 30 Liter auf 60°C zu erwärmen.
Aufgabe: Warmwasser
- Willst du überhaupt Warmwasser in deinem Tiny House haben? (wir empfehlen es)
- Wie viel Warmwasser brauchst du & deine Mitbewohner?
Liess den Warmwasserstand für 1 Monat lang vor und nach dem Duschen ab und sieh, wie viel Wasser du durchschnittlich und maximal pro Mal brauchst. Das wird dir helfen, die richtige Boilergrösse zu finden. - Möchtest du mit Gas(flaschen) arbeiten oder lieber alles über Strom geregelt haben? Bedenke hier auch den Mehraufwand der Überprüfungen der Gasanlage, die min. alle 2 Jahre sein sollte.
- Welche Methode macht in deinem Fall am meisten Sinn? Wo kannst du sie in deinem Tiny House einplanen?